Google ist leider keine Quelle: Impuls zum Themenblock III

Das ist der erste Themenblock, auf den ich mich richtig freue. Wieso? Weil ich mit den Diskussionen um das Urheberrecht quasi täglich zu tun habe – in meiner Arbeit als Journalistin, als Referentin und nicht zuletzt als Studentin.

Zwei Geschichten möchte ich in diesem Zusammenhang erzählen:Vor einigen Jahren leitete ich das erste Mal eine Gruppe ausländischer Schüler an. Der Workshop zum Thema „Digital Storytelling“ fand in der Hauptstadt ihres Heimatlandes statt. Es ist ein südländisches Land, „deutsche“ Bürokratie war den Schülern und Lehrern  fremd. Der Workshop wurde allerdings von einer deutschen Institution ausgerichtet und deshalb musste natürlich auch alles nach deutschem Recht gehandhabt werden. Die Schüler erstellten für eine Online-Schülerzeitung auf deutsch diese Digital Stories, ihre Mängel im Vokabular konnten sie durch Bilder und Musik ausgleichen. Doch viel mehr als die Sprachschwierigkeiten frustete sie, dass sie nicht ihren Lieblingssong verwenden konnten und dass sie sehr mühsam Bilder auf einzelnen Plattformen zusammen suchen mussten. Manche Gruppen waren am Ende noch mal ein paar Stunden damit beschäftigt, die jeweiligen Quellen wieder nachzuvollziehen und gegebenenfalls Fotos auszutauschen, die doch nicht rechtefrei waren. Ich weiß, es frustriert, wenn ein Beitrag online nicht so vervollständigt werden kann, wie man ihn sich vorgestellt hat – obwohl doch prinzipiell alles auf Abruf verfügbar ist. Noch mehr aber frustriert es, wenn ein Beitrag aus dem Netz entfernt werden muss, weil die Quellen nicht angegeben sind oder nicht rechtefreie Musik verwendet wurde. Das mussten einige der Schüler lernen – und ich bin stolz, dass sie es heute richtig machen. Sie googeln Bilder nicht mehr, sonder schauen auf Jugendfotos; Musik finden sie über Jamendo. Unter Verwendung der Quelle dürfen die Medien kostenfrei verwendet werden. Viel der Schüler schreiben aber über sehr simple Sachthemen – sie stellen Popsternchen vor, ihren Lieblingssport, ein wichtiges Ereignis. Nicht für alles lassen sich Bilder selbst erstellen und nicht immer kann und will man auf Symbolbilder (wie viele bei Jugendfotos) zurückgreifen. Was die Schüler wirklich gefreut hat: Auch Wikipedia hat viele Fotos unter der CC-Lizenz gelistet. Ein Klick aufs Bild, wenn die CC Lizenz da ist abspeichern, einbinden, Quelle nennen, fertig. Für mich habe ich bei der Arbeit mit den Schülern gelernt, dass es wichtig ist, ihnen zu erklären, was hinter dem Urheberrecht steckt und ihnen Plattformen zu zeigen, die sie „sicher“ verwenden dürfen. Wir reden hier von einer Generation, die seit jeher alles googelt, die vermutlich noch nie ein Referat ohne Wikipedia gehalten hat – dort muss erst ein Bewusstsein dafür entstehen, was die digitale Öffentlichkeit bedeutet und wo bestimmte Spielregeln einzuhalten sind.

Bei einem anderen Vorfall hatte ich mich wirklich gewundert, wie der Konflikt überhaupt entstehen konnte – denn die Protagonisten waren  eigentlich „Digital Natives“ mit dem nötigen Bildungs-Background. Was ist passiert? Für die Süddeutsche schrieb eine Autorin über das Phänomen der „Twittermädchen“ – junge, durchaus auch attraktive Frauen, die auf Twitter freizügig über ihr Leben, die Liebe und den Sex schreiben, ihre  Meinung preisgeben und unglaublich schlagfertig sind. Es war kein negativer Artikel, die Autorin zitierte auch aus den Twitter-Profilen der Userinnen. Und diese regten sich hinterher furchtbar auf. Via Twitter und Blogs zogen sie über die Autorin her, ein Hauptgegenstand der Kritik: Dass ja das Urheberrecht durch das Verwenden der Zitate verletzt worden sei. Da habe ich dann doch mal herzlich lachen müssen. Die Damen befinden sich auf einer ÖFFENTLICHEN Plattform, haben ihr Profil ÖFFENTLICH (es gibt auch bei Twitter eine Privatsphären-Funktion) – und jammern übers Urheberrecht, wenn sie mit ihrem Twitter-Namen zitiert werden?!

Da ist mir erst bewusst geworden, wie wenig die meisten über solche Dinge wissen. Ich frage mich, ob eigentlich mehr als 5 Prozent meiner Kommilitonen z. B. verstanden haben, worum es beim LSR geht?

Ich frage mich auch, wie man den Menschen eigentlich erklärt, warum uns das Urheberrecht alle etwas angeht – und dass das eben nicht nur Künstler betrifft, sondern dass der Schutz geistigen Eigentums ein grundlegender Wert einer funktionierenden Gesellschaft ist. Zumindest genug Öffentlichkeit hatte die Diskussion eigentlich.

 

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4 Gedanken zu “Google ist leider keine Quelle: Impuls zum Themenblock III

  1. Pingback: Impulsbeitrag zum Themenblock III | Lernen 2.0: Persönliches Lern- und Wissensmanagement mit Social Media

  2. Ein sehr schöner Artikel, dankeschön.

    Gerade die letzte Story hat mir gut gefallen und wie Martin Ebner im ersten Live-Event gesagt hat: alles, was mit Daten getan werden kann wird auch getan werden. Allerdings haben mich Informationswissenschaftler auf der DGI2012 aber darauf hingewiesen, dass hier schon die ethisch vertretbare Verwendung dieser Daten diskutiert wird: Wenn hier durch Zauberclusteralgorithmen herausgefunden wird, dass Twitterer @name sich als FDP-Wähler, Macho und Veganer klassifizieren lässt, dann ist es nicht ok, diesen als Beispiel unverfremdet zu nennen. Und auch „Tweet-Zitate“ werden hier kritisch beäugt, denn Twitterer wären nicht gleich Twitterer und nicht jeder ist hier genauso öffentlich, wie wir es sind und nicht jeder ist sich dem so bewusst. Ich komme immer wieder darauf zurück: schreib nichts ins Internet, das Deine Mutti nicht lesen darf.

    Und mich an einen Blogeintrag von Karsten Wentzlaff erinnert, der es auch „hätte wissen sollen“: http://www.ikosom.de/2013/02/12/darf-und-sollte-man-einen-text-unter-einer-cc-lizenz-ungekurzt-ins-eigene-blog-ubernehmen/ Kurz: Sein Text war mit CC gekennzeichnet und ein anderer hatte es sauber zitiert in seinen Blog übernommen. Und das war ihm dann auf einmal komisch.

    Was die digitale Welt so mit uns macht…

  3. Pingback: Herr Müller und das Facebook-Dilemma (Zusammenfassung des 3. Themenblocks) | Lernen 2.0: Persönliches Lern- und Wissensmanagement mit Social Media

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